Bis das Unternehmen euch scheidet

Wie Partnerschaft und Unternehmen gelingen können - oder auch nicht ...

Unternehmerpaare – „Die seltenste Spezies der Welt“

Arbeitet der Ehepartner im Unternehmen mit oder nicht? Wenn ja, wo und als was? Hält die Partnerschaft solch eine Zusammenarbeit aus? Keine Frage: Es ist eine besondere Herausforderung und kann eine außergewöhnliche Belastung für die Partnerschaft darstellen, wenn der eine Partner im Unternehmen des anderen arbeiten. Für die einen ist es der Himmel auf Erden, Beruf und Familie miteinander zu verbinden, für den anderen ist es nach einiger Zeit die Hölle, auch im Beruf ständig den Partner um sich zu haben.

AUF DER SUCHE NACH DEM KÖNIGSWEG

Meine eigene Erfahrung und viele Gespräche mit Familienunternehmern haben gezeigt: Es gibt keinen Königsweg! Wie der Steuerberater sagen würde: „Es kommt darauf an!“ 🙂 Woraus kommt es also an? Als ich im Studium war, hatte ich eine langjährige Freundin. Zum damaligen Zeitpunkt war mir bereits klar, dass ich einmal den elterlichen Betrieb leiten würde. Meine Eltern lebten mir vor, wie die  Ehefrau im Unternehmen des Ehemanns eine Rolle übernahm und diese für viele Jahre lang ausübte. Ob das langfristig die richtige Entscheidung meiner Eltern war, steht auf einem anderen Blatt. Sei es drum: Ich kannte praktisch nichts anderes. Und so erwähnte ich einmal während eines Essens, dass es für mich selbstverständlich sei, dass meine (zukünftige) Frau auch ins Unternehmen einsteigen würde. Doof nur, dass sie Griechisch und Hebräisch auf Lehramt studierte … Ein Hinweis auf meine eigene fehlende Reife!

DIE EIGENE REIFE

Mit pauschalen Aussagen kommen wir also langfristig nicht weiter. Vielleicht mag eine pauschales Urteil – „Natürlich kommt mir meine Frau (nie) in den Betrieb!“ – uns vordergründig Sicherheit geben; Sicherheit, damit wir uns nicht näher damit auseinandersetzen müssen. Aber die (Lebens-)Umstände ändern sich nunmal bekanntlich, und damit wäre unser statisches Denken schnell an seinen Grenzen angelangt. Ein flexibles Denken, nicht gleichzusetzen mit Anpassung, setzt einen reifen Charakter voraus. Und damit sind wir beim Kern angelangt: Um die Frage zu beantworten, ob meine Frau in meinem Unternehmen mitarbeitet, muss ich in einen ehrlichen Dialog mit mir und meiner Frau gehen. Was sind die eigenen und gegenseitigen Erwartungen, was die Leistungen? Wie sehen die Aufgabenverteilung und die Entlohnung aus? Wenn diese und weitere Fragen für beide erschöpfend geklärt sind, muss – bestenfalls in einer Testphase – dies im Unternehmen erprobt und in der Folge auch ganz deutlich den Mitarbeitern kommuniziert werden.

Für alle Optionen gibt es Erfolgs- und auch Negativbeispiele: In dem einen Unternehmen haben die Ehefrauen sprichwörtlich nichts zu suchen, da sie selbst ein ganz anderes Angestelltenverhältnis oder unter Umständen sogar selbst ein eigenes Unternehmen haben. In den anderen Unternehmen übernimmt die Frau klassisch die Buchhaltung und das Personalwesen, gerne auch in Teilzeit. Und in dritten Betrieben ist die Frau Seite an Seite Vollzeit mit dem Ehemann im Unternehmen unterwegs.

Nur wenn ich mich selbst erkenne und weiß, wo ich mit meinen Ansichten stehe, kann ich mich entwickeln und in der Folge auch anderen dabei behilflich sein. Sogar dem eigenen Partner!