Warum dieser Beitrag?

Interessieren Sie sich dafür ein Unternehmen zu gründen oder, noch besser, Sie haben bereits eines? Prima, dann habe ich hier für Sie acht wertvolle Tipps, wie Sie den Prozess von Werden und Vergehen in Lichtgeschwindigkeit durchlaufen können.

Warum Prozess? Nun, alles was geboren wird, stirbt eines Tages. Das fängt bei uns Menschen an und erstreckt sich weiter auf alles Stoffliche, folglich auch Unternehmen. Kein Unternehmen besteht ewig. Gut, es gibt einige wenige, die mehrere Generationen überdauern, aber zeigen Sie mir ein Unternehmen, was es schon immer gegeben hat! Die Gründe hierfür sind vielfältig: falsches bzw. schlechtes Management, Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern, sich ändernde Umwelt- und Marktbedingungen, staatliche Regulierungen, Kriege etc.

Sie sehen: Alles Materielle ist vergänglich. Auch ein Unternehmen folgt diesem Prozess. Durch gutes Management und vorausschauendes Unternehmertum kann der Wachstumsprozess beschleunigt bzw. verlängert werden. Oder es können lebensverlängernde Maßnahmen unternommen werden, um die Lebenskurve eines Unternehmens so weit es geht auszudehnen.

Es geht aber auch mit den geeigneten Mitteln wesentlich schneller, ein Unternehmen zu beerdigen. Welche das sind? Ich zeige sie im folgenden Blogbeitrag auf. Diese Tipps und Tricks entstammen meiner persönlichen Erfahrung und sind sicherlich nicht vollständig. Wenn Sie also Anregungen haben, lassen Sie es mich bitte wissen und schreiben mir eine E-Mail an claas.krueger@otaja.de.

Über mich

Wenn Sie mich kennen, wissen Sie sicherlich über meinen beruflichen Werdegang seit 2004 Bescheid: Mit 23 Jahren übernahm ich den familiären Betrieb aufgrund des plötzlichen Todes meines Vaters. Parallel dazu habe ich bis 2006 mein BWL-Studium weitergeführt (und auch abgeschlossen), um dann 2014 das Unternehmen erfolgreich zu verkaufen. Nähere Infos dazu finden Sie in meinem Blog. Was die Meisten aber gar nicht wissen oder höchstens nur am Rande mitbekommen haben, ist meine mehrjährige Tätigkeit in der Landwirtschaft. Und das kam so …

Eine neue Unternehmung 

Nach rund zwei Jahren in der Geschäftsführung hatte ich das Familienunternehmen für meine damaligen Bedürfnisse und Ansprüche gut entwickelt. Was fehlte, war eine langfristige Unternehmensstrategie und eine entsprechende Positionierung am Markt.

Bereits 2002 haben wir uns mit unserem Unternehmen der  damals noch weitgehend unbekannten Slow-Food-Bewegung angeschlossen. Dazu inspiriert hatte uns Karl-Ludwig Schweisfurth, der Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn bei München. Schweisfurth hat den familieneigenen Fleischwarenbetrieb Herta groß gemacht und dann – nachdem ihm seine Kinder das Ressourcen vernichtende System vor Augen geführt hatten, das er damit schuf – an Nestlé verkaufte. Mit den Erlösen hat Schweisfurth eine ökologische Landwirtschaft mit integrierter Fleischerei (oder auch umgekehrt) aufgebaut.

Angeregt von diesem ganzheitlichen Ansatz habe ich mich also umgesehen, wie dieses tolle Konzept auf unsere Fleischerei umzusetzen sei. So begannen wir zunächst mit einem namhaften Händler ganz einfache, schlichte Produkte zu produzieren – mit einem 2004 noch ganz besonderen Rohstoff: dem Bunten Bentheimer Schwein. Aufgenommen als „Arche-Passagier“ bei Slow-Food handelt es sich hier um eine alte niedersächsische Haustierrasse, eine der drei letzten noch in Reinzucht verbliebenen Schweinerassen in ganz Deutschland. Das Motto des Zucht-Vereins, dem wir uns mit unserer Fleischerei anschlossen, lautete „erhalten durch aufessen“. Makaber, aber absolut marktorientiert!

Denn nur wer isst, erzeugt Nachfrage

Nur wer isst, erzeugt Nachfrage, und nur dann kommt es zum Angebot. Warum war das Tier also besonders und zugleich vom Aussterben bedroht? Die Tiere wuchsen im Vergleich zu den sogenannten Hybridschweinen zu langsam (Bentheimer brauchen min. 12 Monate bis zur Schlachtreife, die heutigen Hybridschweine ungefähr 6 bis 7 Monate) und hatten zu viel Fett. Und im Nachkriegsdeutschland („Fleisch ist ein Stück Lebenskraft!“) waren diese beiden Tugenden nicht gewünscht. Im Gegenteil: Die Tiere wurden fortwährend durch Kreuzungen und Futteroptimierungen zu reinen Fleischlieferantenhochgezüchtet – ohne Fett und bitte schnell. Da konnte das Bunte Bentheimer Schwein aber nicht mithalten, und so verschwand die Rasse in den folgenden Jahrzehnten in der Versenkung.

Erst mit der Jahrtausendwende kamen die ersten (ökologischen) Landwirte wieder auf diese Rasse und entdeckten ihre Eigenschaften. Zumal die Tiere nicht so anfällig für Krankheiten, wesentlich robuster und leichter zu halten sind. Diese Rasse schien mir bestens geeignet, um meine Unternehmensziele – langfristige Unternehmensstrategie und klare Positionierung am Markt – umzusetzen. Warum gerade mit einem Schwein? Nun, die Margen in der Fleischbranche sind nicht grade üppig, und über den Preis ist es als Handwerksbetrieb nicht möglich, zu konkurrieren.

Ich erkannte, dass es nur über die Nische möglich war, als Unternehmen gesund zu bleiben und zu wachsen: Mit einer Positionierung als Premiumanbieter regionaler Produkte mit regionalen Rohstoffen. Darüber hinaus machte mir dieser Bereich auch mehr Spaß, als in einem tristen 10-Quadratmeter-Büro eines „Strategie-Einkäufers Gruppe 3“ in einem 70er Jahre-Bürobunker in Düsseldorf Preise mit der dritten Nachkommastelle und wer weiß wie vielen Zuschüssen (Rollgeld, Entsorgungskosten, Eröffnungsrabatte etc.) zu verhandeln.

Bentheimer Schweine

Das Bunte Bentheimer Schwein war also ausgemacht. Es gab zu der Zeit, neben ein paar kleineren Landwirten, praktisch keine anderen professionellen Vermarkter, und wir hatten die Chance, diesen Markt früh für uns zu besetzen. Die Nachfrage bei unseren Kunden war da und eigentlich für damalige Verhältnisse auch schon fast zu groß. Wir hatten große Probleme, den Rohstoff, sprich die Schlachthälften, zu organisieren. Über ein, zwei Jahre lang haben wir die Tiere von einem westfälischen Mastbetrieb bezogen – was auf der einen Seite die Rohstoffversorgung sicherstellte, aber andererseits nicht ökologisch und schon gar nicht ökonomisch war. Zumal die Qualitätsschwankungen durch unterschiedliche Gewichte der Tiere, unterschiedliche Fleisch-Fett-Verhältnisse etc., zu groß waren, als das wir damit ordentlich kalkulieren  konnte.

Dies führte dazu, dass wir uns kleine Landwirtschaftsbetriebe in unserem Landkreis Ammerland suchten, mit denen wir langfristig die Produktion aufbauen konnten. Bis zu diesem Punkt hatte ich soweit alles richtig gemacht.

In der Folge habe ich dann aufeinander aufbauend verschiedene Fehler gemacht. Einzeln vielleicht nicht so schlimm und wieder zu heilen, zusammengenommen waren sie aber für das neue Unternehmen tödlich. Welche Fehler dies genau sind, erfahren Sie im nächsten Blog-Beitrag! 🙂