Der Unternehmerclub Podcast

Was Sie in diesem Podcast erwartet

Demografie und der gesellschaftliche Wertewandel stellen Unternehmen vor spannende Aufgaben: Wie positioniere ich mich als Arbeitgeber? Und wie schaffe ich es, dass meine Mitarbeiter ihre tatsächlichen Potentiale (nicht nur) im Sinne meines Unternehmens entfalten? Der Unternehmerclub hat diese Fragen in den Mittelpunkt eines Podcasts mit Boris Thomas gestellt. “Mehr als das normale Weiterbildungs-Blabla” und “die schmerzhafte Erkenntnis, ‘oh, ich glaube, es hat etwas mit mir zu tun’”, sind seine Ratschläge, um die Herausforderungen von Nachwuchsproblemen und Fachkräftemangel, Gen Y und Work-Live-Balance zu bewältigen.

Geld allein bindet keine Mitarbeiter

Wer Bremervörde googelt, findet ein kleines Nest zwischen Bremen und Hamburg. Ein paar Geschäfte, rot geklinkerte Einfamilienhäuser, Schwimmbad, Naherholungsgebiet und eine Zuganbindung, die sich allerdings eher “als relativ komplexer Akt” darstellt. “Unternehmen können Standortnachteile nicht vollständig auffangen. Es ist mehr als Geld allein, was Mitarbeiter für oder gegen ein Unternehmen entscheiden lässt”, sagt Boris Thomas. Er steht der Firma Lattoflex vor. Einem international agierendem Unternehmen eben mit Sitz in Bremervörde.

Unternehmer müssen eine neue Offenheit entwickeln

Er weiß, dass er andere Wege gehen muss, um Mitarbeiter zu finden und letztendlich auch langfristig zu binden. Demografie ist das eine, sagt er und spricht von Nachwuchsproblemen und Vollbeschäftigung, weniger qualifizierten Mitarbeitern und den Metropolen, die eine unheimliche Anziehungskraft zu besitzen scheinen. Auf der anderen Seite müssten sich Unternehmer der Zeit stellen und “eine neue Offenheit” entwickeln: “Die Idee von Arbeit verändert sich.” Neue Modelle setzen sich durch. Er habe eine neue Mitarbeiterin aus der Nähe von Bremen eingestellt, die sich Home Office an zwei Tagen vorstellt – um die Arbeit mit der Familie in Einklang bringen zu können. “In konservativen Strukturen, wie sie unser Unternehmen ursprünglich vorsah, ist das nicht ganz einfach”, gibt er zu. Und trotzdem eine interessante Aufgabe.

Boris Thomas

Geschäftsführer Thomas GmbH + Co. Sitz- und Liegemöbel KG

Unser Gesprächspartner

Es klingt konservativ, aber ich glaube, das, nach dem sich Menschen heute sehnen, ist das Gefühl, als Mensch gesehen zu werden.

Zwischen Innovation und neuen Märkten und der Tradition zu den Wurzeln des Familienunternehmens in Bremervörde: Boris Thomas (Jahrgang 1964) steht in dritter Generation an der Spitze der Firma Lattoflex. Nach einer Tischlerlehre studierte Thomas Wirtschaftsingenieurwesen und stieg dann Anfang der 90er Jahre in das eigene Familienunternehmen ein. Unter seiner Leitung entwickelte sich Lattoflex zum Weltmarktführer für besseres Schlafen ohne Rückenschmerzen. Der Bremervörde stellt Mitarbeiter und innovative Lösungsansätze als Schlüsselressourcen in den Fokus des Familienunternehmens: “Produkte kommen und gehen, Lattoflex bleibt.”

Den Mitarbeiter als Mensch sehen

”Es klingt konservativ, aber ich glaube, das, nach dem sich Menschen heute sehnen, ist das Gefühl, als Mensch gesehen zu werden.” In Wachstum und Verbundenheit sieht Thomas die Kernaufgaben eines Unternehmens, die es für seine Mitarbeiter bewältigen muss. “Das ist das, was Menschen mehr schätzen als Geld. Sie wollen Potentiale entfalten. Raus in die Welt. Das ist manchmal wichtiger als der letzte Euro.”

Krisenzeiten bereiten auf den nächsten Höhenflug vor

Er ist stolz darauf, dass Lattoflex abgesehen von Renteneintritt und Schwangerschaften eine nahezu nicht existente Abwanderungsquote besitzt. 30- oder 40-jährige Betriebsjubiläen zählen zu monatlichen Anlässen. Der nun ehemalige Vertriebsleiter für die Schweiz hat seine Rente jährlich verschoben – bis zum 70. Lebensjahr. Thomas macht dafür zwei Faktoren in der Führungskultur verantwortlich. Sie zeichne sich durch eine hohes Maß an Empathie aus. “Speziell in Krisenzeiten spielt dies eine Rolle. Darauf bereite ich die Leute vor. Und wir werden Krisen haben, wir sind nicht im Paradies. Also bereit dich darauf vor!” Denn, so seine Überzeugung: “In Krisen entsteht die Verbindung des Teams für den nächsten Höhenflug: Die Reaktion in Krisenzeiten ist kulturenschaffend.” Der zweite Aspekt liege im Fokus der Mitarbeiterentwicklung. “Wenn ich eine Potentialentfaltung bei meinen Mitarbeitern sehen möchte, muss ich das auch ansprechen, wenn jemand nicht sein volles Potential ausschöpft. Und Wege finden (…) Ich muss ihnen das Gefühl geben, die Leute haben auch für sich selbst als Mensch, die Chance zu entfalten.”

Trotzdem: “Ich muss mehr machen als das normale Weiterbildungs-Blabla. Und ich muss als Unternehmer vor allem den Mut haben, den Weg selbst mitzugehen.” In der Praxis bedeutet das: “Wenn wir einen Zen-Meister da haben, hocke ich selbst auch auf dem Hocker.”

Mitarbeiterführung hat mit sich selbst zu tun

Mitarbeiter zu führen und zu entwickeln habe in erster Linie immer etwas mit sich selbst zu tun, sagt er mit Überzeugung. “Ich habe unendlich viele Schlüsselerlebnisse gehabt – und verfalle immer wieder der Illusion ‘Jetzt hab’ ich’s’”. Der gemeinsame Nenner sei die radikale Selbstverantwortung anzunehmen. Ich kann rausgehen und sagen, Mitarbeiter, Konkurrenz, Wettbewerber – alles Idioten. Selbstverantwortung bedeutet aber, aus diesem Schuldmodus herauszukommen.” Es sei natürlich viel einfacher, zu sagen, alles Vollidioten. “Aber die Haupterkenntnis, wenn es auch die schmerzhafteste aller ist, habe ich immer dann gehabt, wenn ich meine eigene Kraft bekommen und akzeptiert habe, ‘oh, ich glaube, es hat etwas mit mir zu tun’ … Das Leben ist ein Spiegel – und dein Unternehmen ist so, wie du bist. Dein Team spiegelt dein eigenes Ding wider.”