Ist anders besser?

Ist die Unternehmerin der bessere Unternehmer? Eine Frage, die wohl kaum eine allgemeingültige Aussage zulässt, ohne dabei Gefahr zu laufen, eine intensive Geschlechterdebatte auszulösen. Die per se schon einmal äußerst individuelle Definition von “besser” jedoch einmal außen vor gelassen, trifft wahrscheinlich ein “Anders” eher den Kern der Fragestellung. Stichwort: Emotionale Intelligenz.

Frauen und Führung

Die Ergebnisse empirische Studien zum Thema Frauen und Unternehmertum sprechen eine deutliche Sprache. Häufig sind ihre Ansätze dabei jedoch weiter gefasst und beschäftigen sich grundsätzlich mit Frauen in Führungspositionen und eben nicht ausschließlich mit der Rolle der Unternehmerin. Trotzdem: Stellen unternehmerische Kennzahlen die Ausgangssituation der Bewertung dar, lässt sich eigentlich nur ein Rückschluss zu: (Mehr) Erfolg im Unternehmen ist weiblich. Interessanterweise lässt sich dieser Effekt jedoch nicht mit einer Frauenquote erzwingen.

Zahlen sprechen für sich

30 Prozent mehr Frauen in den Chefetagen bewirken einen 15 Prozent höheren Netto-Umsatz, fasst beispielsweise die FAZ das Studienergebnisse der Peterson Institutes for International Economics (Washington) zusammen. Die Forscher haben dafür Zahlen aus rund 22.000 Unternehmen aus 91 Ländern zugrunde gelegt. Auch die Unternehmensberatung McKinsey ist in ihren Untersuchungen auf den Zusammenhang zwischen weiblichen Führungskräften und steigender Eigenkapitalrendite und Ebit-Marge gestossen. Ernst & Young betont in seiner Studie “Mixed Leadership”, dass Unternehmen, die ausschließlich von Männer gelenkt werden, grundsätzlich weniger erfolgreich sind, als die, in denen auch Frauen in den Führungsetagen vertreten sind.

Führungsqualitäten werden unterschiedlich wahrgenommen

Ein weniger eindeutiges Bild zeichnet sich hingegen ab, wenn es die nackten Zahlen zur Seite geschoben und Aussagen über Führungsqualitäten an ihre Position rücken. So formulierte etwa die Florida International University in ihrer Metastudie “Gender and Perceptions of Leadership Effectiveness”, dass bereits die Wahrnehmung der Führungsrolle geschlechterabhängig sei – Männer haben eine positivere Selbstwahrnehmung, Frauen in derselben Position würden hingegen von außen positiv wahrgenommen werden. Ganz anders argumentieren Heilman & Okimoto auf der Basis der Ergebnisse dreier experimenteller Studien: Demnach werden Frauen, die erfolgreich in klassischen Männerdomänen arbeiten, als weniger sympathisch und feindseliger angesehen.

“Typisch weiblich” macht den Unterschied

Warum aber wird überhaupt immer noch ein so deutlicher Unterschied zwischen Mann und Frau betont? Ohne in eine soziologische Betrachtungsweise zu verfallen, lässt sich dieses möglicherweise mit oft bemühten Klischees begründen. Männer wird Härte zugesprochen, Frauen eher weichere Charakterzüge und der Hang zu Emotionen. Wobei Letzteres definitiv eine der wohlweislich positiven Schlüsselaspekte ist, um weiblichen Erfolg zu begründen  – und das eingangs beschriebene “Anders” erklärt.

Was ist Emotionale Intelligenz?

Einfühlungsvermögen, Empathie, Fingerspitzengefühl, Sozialkompetenz, Emotionalität vereinen sich unter dem Begriff Emotionale Intelligenz, kurz EQ. Eigenschaften, die vordergründig Frauen zugeschrieben werden, auch wenn eine Verallgemeinerung keinesfalls korrekt ist und natürlich genauso Männer diese Attribute vorweisen oder es andersherum Frauen gibt, auf die sie nicht zutreffen.

EQ schlägt IQ

Der EQ hat in der modernen Arbeitswelt längst zum viele Jahre als Maßstab geltenden Intelligenzquotienten (IQ) aufgeschlossen. Nicht länger entscheidet der Grad der akademischen Bildung über die Eignung als Führungspersönlichkeit oder Unternehmer(in), sondern die menschliche Komponente gewinnt an Stärke. Eine der populärsten Definitionen hat der amerikanische Psychologe Daniel Goleman getroffen: Emotionale Intelligenz beschreibe „die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und die der anderen zu erkennen, uns selbst zu motivieren und gut mit Emotionen in uns selbst und in unseren Beziehungen umzugehen“.

Fachwissen allein hilft nicht durch die Krise

Nicht nur im unternehmerischen Alltag, sondern insbesondere in Zeiten, in denen eben nicht alles glatt läuft, macht Emotionale Intelligenz den Unterschied. Jegliches fachliches Know-how wird den Unternehmer nicht weiterbringen, wenn er mit Unvorhergesehenem konfrontiert wird. Das kann im Kleinen eine emotionale Reaktion eines engen Mitarbeiters sein, im Großen ein Absatzkrise, die sich nicht abgezeichnet hat. Allein mit rationalen Argumenten werden sich in diesem Moment die Wogen nicht glätten lassen. Ist die erwartete menschliche Reaktion des Unternehmers der Situation unangemessen, wird sich der mögliche Vertrauensverlust auch auf die Unternehmenskultur auswirken.

Emotionale Intelligenz kann man trainieren

An dieser Stelle sind zwischenmenschliche Fähigkeiten gefragt, die weit über die in ihrer Begrifflichkeit arg strapazierten SoftSkills herausragen. Und: EQ kann auch Ihnen selbst in Ihrer ganzen Persönlichkeit helfen, Gedanken und Gefühle zu sortieren und Herausforderungen souverän zu meistern. Sie sind in der Lage, auf Ihren Gegenüber einzugehen und ihn abzuholen. Die gute Nachricht zum Schluss: Emotionale Intelligenz lässt sich erlernen …