Killerphrasen schaden dem ganzen Unternehmen

Machen wir uns Nichts vor: Ein Unternehmen steht und fällt mit der Motivation der Menschen, die dort arbeiten. Motivierte Mitarbeiter bringen ein Unternehmen nach vorn. Sie haben Lust darauf, Etwas zu bewegen. Knien sich in ihre Arbeit hinein. Ein wertschätzender Umgang untereinander sollte nicht nur zu den in Anführungszeichen besonderen Anlässen, wie dem jährlichen Mitarbeitergespräch, selbstverständlich sein – sondern auch in den Situationen, die nicht Eitel Sonnenschein sind. Den berühmt-berüchtigten Killerphrasen, die Unternehmer niemals sagen sollten, ist im Eifer des Gefechts aber dann doch nicht ganz so leicht zu entkommen.

Wenn Worte demoralisieren

Ein Satz, und die Motivation – und damit auch die Identifikation mit Unternehmen und Arbeitgeber – ist für den Mitarbeiter dahin. Klingt im ersten Moment überspitzt, kann aber durchaus Realität werden. Oft ist dies dann der Fall, wenn die Worte der Führungskraft ein Gefühl von Respektlosigkeit, Bloßgestellt werden oder gar Demütigung beim Gegenüber auslösen. Der Sinn der eigenen Arbeit in Frage gestellt wird. Ein „Ich habe gewusst, dass das dabei herauskommt“, wenn das Arbeitsergebnis nicht den eigenen Vorstellungen entspricht , oder „Warum habe ich Sie bloss damit beauftragt“, wenn der Mitarbeiter einen Fehler gemacht hat, lag wahrscheinlich jedem schon einmal auf der Zunge – beißen Sie sich aber besser auf Selbige, bevor Sie in die Versuchung geraten, den Satz laut auszusprechen.

Der Konflikt zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung

Killerphrasen können mühelos zerstören, was Unternehmer zuvor mühevoll aufgebaut haben. Selbst- und Fremdwahrnehmung spielen hier eine große Rolle. Versetzen Sie sich einmal in die folgende Situation: Ein großes Projekt steht an. Der Mitarbeiter, dem Sie es anvertrauen, hat vielleicht sogar ein wenig Angst vor der Aufgabe, zweifelt, ob seine Fähigkeiten ausreichen, geht aber voller Engagement ans Werk. Er steckt viele Gedanken, Energie und Arbeit in das Projekt. Das Ergebnis entspricht in seiner Wahrnehmung voll den Erwartungen und macht ihn stolz. Sie als Unternehmer oder Führungskraft sehen das jedoch anders … Ja, Sie könnten jetzt Ihrem Unmut Luft machen. Der Mitarbeiter wird davon höchstwahrscheinlich verletzt sein – auch wenn er nach Außen hin die Fassung wahrt. In seinen Augen hat er schließlich alles gegeben.

Stress versus Führungsqualitäten

Es muss nicht immer auf die Spitze getrieben werden. Eine nicht-existente Fehlerkultur und buchstäbliches an die Decke gehen, wenn es nicht läuft, machen die eine Seite der Killerphrasen aus. Die Andere tritt gern in stressigen Momenten ans Tageslicht. „Dafür habe ich jetzt keine Zeit“, wenn der Mitarbeiter mit einem Problem in der Tür steht und eigentlich das offene Ohr sucht, signalisiert je nach Schweregrad des Anliegens ein „Ihr Problem ist nicht wichtig“  über „Ihr Problem, nicht unseres“ bis „Sie interessieren mich nicht.“ Wertschätzung adieu. Besser ist es, offen zu kommunizieren, warum und aus welchen nachvollziehbaren Gründen es gerade ungünstig ist und gleichzeitig ein Zeitfenster anzubieten, um sich in Ruhe mit dem Mitarbeiter auseinander zu setzen.

Wenn das ganze Team leidet

Für einen verbalen Schnitzer kann man sich entschuldigen. Es ist nur allzu menschlich, dass auch Unternehmer einmal aus der Rolle fallen können. Ehrlich und aufrichtig (!) um Verzeihung zu bitten, beweist Größe und Anstand.  Kritisch ist es jedoch, wenn die Killerphrasen den Umgang mit Mitarbeitern oder Kollegen bestimmen. Eine Spitze hier, eine achtlose, vielleicht zweideutige Bemerkung dort, und die Motivation des Teams wird zweifellos leiden. Warum anstrengen, wenn es nie gut genug sein wird? Wenn man nicht das Gefühl hat, wichtig für das Unternehmen zu sein? Damit werden nicht nur die Arbeitsergebnisse schlechter, sondern auch das Selbstwertgefühl der einzelnen Mitarbeiter bekommt früher oder später einen empfindlichen Knacks. Der Weg zur Inneren und irgendwann auch realen Kündigungen ist vorgezeichnet. Und: Studien belegen, dass schon ein offen unzufriedener Mitarbeiter genügt, um ein ganzes Team in seiner Leistung runterzuziehen.

Ruhe bewahren – auch wenn es hoch her geht

Was also tun?  Verschiedene Methodiken werden immer wieder empfohlen: Zählen Sie innerlich bis zehn, wechseln Sie in die Rolle des Gegenüber, zeigen Sie Verständnis. Kurzum: Wenn Sie souverän reagieren, sich darüber klar sind, warum Sie den Impuls haben, anders zu reagieren, behalten Sie die Zügel in der Hand. Sie können bestimmen, welche Wendung das Gespräch nimmt – und damit auch, welchen Eindruck Sie (nachhaltig) hinterlassen. Auch Kritik kann motivierend wirken – wenn Sie auf eindeutige Killerphrasen verzichten.