Die Abgabezeiten für das wichtige Projekt sind mehr als sportlich – und Ihr Fluchen nur allzu menschlich, als sich in dieser Situation der betreuende Sales Manager für die nächsten Tage abmeldet: Das Kind ist krank. Aber darf er das eigentlich? Was steht Eltern zu? Und was müssen Sie als Unternehmer über die Rechte von Eltern wissen?

Arbeitnehmer haben ein Recht auf Freistellung

Wir können an dieser Stelle keine juristische Beratung ersetzen, wohl aber einen Rahmen abstecken. Eines lässt sich dazu vorwegnehmen: Sie sind als Unternehmer verpflichtet, den Mitarbeiter freizustellen, wenn das Kind unter zwölf Jahre alt, krank ist und betreut werden muss. Etwaige Ausschlussklauseln in Arbeits- oder Tarifvertrag sind ungültig.

Verständnis ja – aber mit Plan

Sie können jedoch eine ärztliche Bescheinigung verlangen, dass der Arbeitnehmer sein Kind pflegen muss und Ihnen deswegen nicht im Betrieb zur Verfügung stehen kann. Versäumt der Mitarbeiter dieses, könnten Sie – rechtlich und ganz theoretisch betrachtet – auch eine Abmahnung aussprechen. Ebenso gilt, dass der Mitarbeiter seine Abwesenheit und die voraussichtliche Dauer bei Ihnen oder der Personalabteilung melden muss. Denken Sie daran, dass Sie planen müssen, wie Sie den ungeplanten Ausfall kompensieren können. Sprechen Sie deswegen gegenüber Ihren Mitarbeitern offen darüber, dass Sie eine entsprechende Kommunikation erwarten.

Das steht Ihren Mitarbeitern zu

Die Legislative macht einen Unterschied zwischen der generellen Freistellung und der Entgeltfortzahlung. Das Sozialgesetzbuch trifft hier in Paragraph 45 klare Aussagen darüber, was dem Arbeitnehmer zusteht, wenn das Kind krank ist. Demnach hat jedes Elternteil pro Kind und Kalenderjahr Anspruch auf bezahlte Freistellung an zehn Arbeitstagen. Hat die Familie mehr als zwei Kinder beträgt der Anzahl maximal 25 Tage. Bei alleinerziehenden Mitarbeitern verdoppeln sich diese Zahlen.  

Auf eine Ausnahmeregelung dürfen sich an dieser Stelle die Eltern schwerstkranker Kinder stützen. Ihnen steht eine unbegrenzte Freistellung zu, wenn die Lebenserwartung ihrer Kinder traurigerweise nur noch Wochen oder wenige Monate beträgt.

Wie ist die Lohnfortzahlung geregelt?

Im Sozialgesetzbuch ist hingegen nicht verbindlich geregelt, wer die Entgeltfortzahlung des Arbeitnehmers übernimmt. Sie stehen als Unternehmer immer dann in der Pflicht, wenn Sie die Lohnfortzahlung nicht im Arbeitsvertrag ausgeschlossen haben oder aber ein Tarifvertrag entsprechend eingreift. Dann kommt § 616 BGB zum Tragen. Dieser regelt, dass Arbeitgeber die Vergütung fortzahlen müssen, wenn der Arbeitnehmer aus persönlichen Gründen “für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit” ausfällt. Juristen fassen hierunter auch die Pflege und Betreuung kranker Kinder.

Wenn die Krankenkasse einspringt …

Haben Sie hingegen den Anspruch auf bezahlte Freistellung ausgeschlossen, können Ihre Mitarbeiter ein entsprechendes Kinderpflege-Krankengeld bei den Krankenkassen beantragen. Über das umgangssprachlich gern als Blauer Schein bezeichnete Formular können gesetzlich Versicherte 70 Prozent ihrer Bruttoeinkünfte ab Tag 1 der Krankmeldung erstattet bekommen.

Home Office für Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Sie sollten bei allen gesetzlichen Regelungen jedoch nicht außer Acht lassen: Gute Mitarbeiter sind Ihr Kapital. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist heute wichtiger denn je – und damit auch ein Kriterium für aktuelle und potentielle neue Arbeitnehmer, die Ihr Unternehmen stärken sollen. Natürlich, im klassischen Sinne fällt unter diese Begrifflichkeit nicht das Verhalten von Ihnen als Arbeitgeber im Falle der Erkrankung des Arbeitnehmer-Kindes. Aber: Stehen Sie Ihren Mitarbeitern in diesem Moment zur Seite. Bieten Sie ihnen beispielsweise an, während das Kind krank im Bett liegt, (sofern möglich) im Home Office zu arbeiten, wenn der Anspruch auf bezahlte Freistellung verstrichen ist. Versuchen Sie im offenen Gespräch Mittel und Wege zu finden, die beiden Seiten – Ihnen als Unternehmer und Ihrem Mitarbeiter als Elternteil – gerecht werden. Das kommt auch Ihrer Unternehmenskultur zu Gute.