„New Work“ als Leitbild für die Arbeitswelt 4.0

Ihr schlägt diese typische Büroatmosphäre entgegen, als sie die Tür öffnet: Tastaturen klappern, Stimmen in den unterschiedlichsten Tonlagen, der Duft von Kaffee, ein produktives Flirren. Und doch ist nichts an dieser Situation klassisch. Die junge Unternehmerin teilt sich “ihr” Büro im CoWorking-Space mit acht weiteren Firmen aus ganz verschiedenen Branchen – das Konzept “New Work” ist für sie längst zum Alltag geworden.

Wissensgesellschaft stellt neue Herausforderungen

Das jahrzehntelang geltende Verständnis starrer Hierarchien, fester Kompetenzstrukturen und genau vorgegebener Arbeitszeiten ist heute vor allem in Kreativbranchen klar in den Hintergrund gerückt. Mit dem Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft verändern sich die Rollen und Strukturen in der Arbeitswelt. Auch der angestellte Mitarbeiter soll heute möglichst unternehmerisch denken, selbstständig Entscheidungen treffen, kreative Lösungen finden und sich mit seiner Arbeit aktiv in das Unternehmen einbringen.

Work-Life-Balance im Fokus

Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen beruflich und privat immer weiter: Vor allem seitdem die “Gen Y”, die Generation der 1980er bis Mitte der 90er Geborenen, aktiv ins Berufsleben eingestiegen ist und ihre ganz eigenen Vorstellung einer Arbeitskultur vertritt, werden Werte wie persönliche Freiheit und Entfaltung im Unternehmen immer wichtiger. Ihre Vereinbarkeit ist eines der zentralen Elemente in der Arbeitswelt 4.0.

Gelebte Selbstbestimmung

“New Work” hat sich als Begrifflichkeit für diese Entwicklung durchgesetzt. Er basiert auf der Forschung des Sozialphilosophen Frithjof Bergmann. Der Austro-Amerikaner geht darin von der Annahme aus, dass das bisher gültige Arbeitssystem veraltet sei. Bergmanns “New Work”-Konzept basiert stattdessen auf den Werten Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Nur wenn die eigene Persönlichkeit genügend Raum im Unternehmen finde, könne der Mensch den Herausforderungen der neuen Arbeitswelt gerecht werden. Will heißen: Wer selbstbestimmt handeln soll, muss auch die Freiheit dafür haben, sich wohlfühlen und seine Potentiale ausleben können.

Ausprägungen des “New Work”-Konzeptes

Moderne Bürokonzepte

Das Bild “ein Büro, zehn Leute, acht Firmen”, wie wir es am Anfang dieses Beitrages gezeichnet haben, ist nur eine Ausprägung von “New Work” – wenn auch wahrscheinlich eine der häufigst genannten. Eine nahezu flächendeckende Internetverbindung, Cloud-Strukturen und digitalisierte Prozesse erlauben es uns heute, (fast) überall arbeiten zu können. Moderne Bürokonzepte à la Work-Spaces, in die man sich einmieten kann, bieten eine interdisziplinäre Arbeitsatmosphäre, schnelle Kommunikationswege und absoluten Netzwerkcharakter. Man kann zusammen arbeiten, muss es aber nicht.

Flexibilität durch und durch

Die von Bergmann geforderte Flexibilität findet sich aber nicht nur in den Arbeitsorten wieder. Sowohl die Arbeitszeit als auch das Aufgabenspektrum in Form von Job Rotation sollten auf die Menschen im Unternehmen angepasst werden, um die persönliche Freiheit weiter in den Vordergrund zu schieben. Kreativität kann man nicht erzwingen – Spielräume innerhalb der Projekte bieten jedoch Luft zum Durchatmen und können damit blockierte Gedanken wieder frei setzen.

Führung im Wandel

Untrennbar mit “New Work” verbunden ist auch das Thema Führung. “Pyramide rauf, Pyramide runter” und das Festhalten an starren Hierarchien ist längst nicht mehr zeitgemäß und konterkariert den Kern der neuen Arbeitswelt. Die Führungskultur wirkt sich unmittelbar auf das ganze Unternehmen aus. Vertrauen Führungskräfte ihren Mitarbeitern, lassen sie sie ihre eigenen Weg zum erfolgreichen Projektabschluss gehen, fördern sie die persönliche Weiterentwicklung und schaffen sie mit gelebter Agilität schnelle Entscheidungsprozesse, steigt nachweislich die Identifikation – und damit auch die Zufriedenheit des Einzelnen.

Hinweis: Impuls-Vortrag „New Work“

Mehr zum Thema “New Work” liefert ein Impuls-Vortrag im Rahmen des Unternehmerclub Sommerfestes 2018 am 28. September. Wir haben Hendrik Schwedt, Head of Accelerator & Academy, Hafven GmbH & Co. KG dafür gewinnen können, uns seine eigene Sicht des “New Work”-Konzeptes vorzustellen.