Tick – tack. Unerbittlich rückt der Zeiger auf der Uhr vor, während die Aufgaben nicht weniger zu werden scheinen. Sie sind morgens der Erste im Büro und abends der Letzte. Das Wochenende gehört längst nicht mehr Ihnen und Ihren (privaten) Interessen, sondern dem Unternehmen. “Eben selbst und ständig”, definieren Sie vielleicht gegenüber Partner, Freunden und Familie Ihre Unternehmerrolle. Stopp!  Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Selbstständigen und Unternehmer? Beide Begriff werden gern in einen Topf geworfen, haben jedoch – abgesehen von der Basis, nämlich der eigenen Firma – relativ wenig gemein.

Selbstständig: Das Angestelltenverhältnis hinter sich lassen

Per Definition bedeutet Selbstständigkeit nichts anderes, als beruflich auf eigenen Füßen zu stehen, eigene Entscheidungen treffen zu können – aber eben auch verantwortlich die (finanziellen) Konsequenzen für das Handeln tragen zu müssen. Der Selbstständige steht in keinem abhängigen Angestelltenverhältnis, sondern hat ein Unternehmen, das ins Handelsregister eingetragen und als Gewerbe angemeldet ist; er zahlt Umsatz-, Gewerbe- und Einkommenssteuer und muss sich selbst Kranken- und Rentenversichern.

Unternehmer: Nachhaltigkeit im Blick

Der Begriff des Unternehmers klingt im BGB wenig sexy. Demnach sind ist ein Unternehmer “eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbstständigen beruflichen Tätigkeit handelt”. In der eingängigen Wirtschaftsliteratur ist die Auffassung des Terminus jedoch viel weiter gefasst: Er steht sinnbildlich für Personen, die sich verantwortlich in der Planung, Gründung und nachhaltigen Entwicklung eines Unternehmens engagieren. Die Unternehmerrolle ist dabei verbunden mit der Übernahme von persönlichen oder finanziellen Risiken.

Der Unterschied liegt im Rollenverständnis

Ein Unternehmer ist also selbstständig, ein Selbstständiger aber nicht unbedingt auch ein Unternehmer. Der Unterschied liegt im Rollenverständnis. Oft sind Selbststständige ihre besten Mitarbeiter. Sie kümmern sich um alles, kennen jeden Prozess bis ins letzte Detail, sind als Fachmann oder Fachfrau für ihr Metier aktiv ins Tagesgeschäft involviert. Ja, das bedeutet Leidenschaft für die Firma – andererseits aber auch ein Risiko: Der Erfolg des Unternehmens ist an ihre Person geknüpft. Denn ohne sie geht häufig nichts. Schwarzmalerei, werden einige vielleicht schreien: Aber was passiert, wenn Sie als Herz des Betriebes plötzlich ausfallen?

Die Vision als Antrieb

“Am statt im Unternehmen zu arbeiten”, drücken hingegen Unternehmer gern das Verständnis gegenüber ihrer Profession aus. Ziel des Unternehmers ist nie, dass sich das Unternehmen lediglich selbst trägt oder er sein eigener Chef sein kann. Vielmehr geht es darum, den Betrieb aufzubauen, wachsen zu lassen und so aufzustellen, dass er eben auch ohne ihn funktioniert. Die Existenz des Unternehmens soll idealerweise niemals allein mit ihm selbst verbunden sein.

Herausforderung an die Organisation

Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, eine ganz andere Struktur im Unternehmen zu leben – und zu zu lassen. Es müssen Verantwortlichkeiten und Rollen geschaffen werden, die in ihrer Gesamtheit ein tragfähiges System bilden. Während die Aufgabe des Unternehmer – im Wunschszenario – mit der initiativen Entwicklung des Unternehmens klar umrissen ist, finden sich Führungskräfte in zweierlei Positionen wieder. Sie arbeiten ebenfalls am Unternehmen, in dem sie Prozesse und Maßnahmen entwerfen und steuern, die es den Mitarbeitern erlauben, ihre fachlichen Kompetenzen optimal einbringen zu können. Auf der anderen Seite müssen sie auch ein inhaltliches Verständnis für die Arbeit der Fachabteilungen mitbringen, um einschätzen zu können, ob Maßnahme A oder B tatsächlich zielführend ist. Der “normale” Mitarbeiter wird in der Organisation als Experte für seinen Aufgabenbereich verstanden. Er arbeitet als Spezialist in seiner Disziplin und seiner Kompetenz wird entsprechendes Vertrauen entgegen gebracht. Als Fachkraft arbeitet er im Unternehmen.

Wo sehen Sie Ihren Platz im Unternehmen? Wie definieren Sie Ihre Rolle? Wir freuen uns auf Ihr Feedback!