Wenn Erschöpfung jede Energie nimmt

Der Wecker klingelt. 20 Minuten schon, die drei Mal Weiterstellen nicht mitgezählt. Der Körper ist wie Blei, als sich die Vernunft meldet und der Kopf “jetzt aufstehen” befiehlt. Tag für Tag beginnt der Kraftakt Alltag aufs Neue. Mechanisches Funktionieren hat längst alle Leichtigkeit und Energie abgelöst. Wie ein Schwarzweißfilm ohne Highlights flimmert das Leben an einem vorbei. Dazu körperliche Beschwerden, die wie aus dem Nichts auftauchen. Nichts geht mehr – akutes Burnout. Aber: Sind Unternehmer davon weniger betroffen als Angestellte?

Eine Folge der modernen Leistungsgesellschaft?

Der Begriff Burnout ist bis heute keine festgelegte medizinische Diagnose, sondern wird eher als Ausdruck für eine ganze Kette von psychischen und physischen Symptomen verwendet. Stress, Arbeitsbelastung, Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit werden oft als Ursachen genannt, die chronische Erschöpfung als Charakteristika der modernen Leistungsgesellschaft. Das Bundesgesundheitsministerium hat jüngst Zahlen veröffentlicht, dass die Anzahl der Fehltag wegen Überlastung und Erschöpfung zwischen 2012 bis 2016 von 19,97 Millionen auf 30,53 Millionen im Jahr gestiegen ist.

Wenig Zahlen, die den Fokus auf Unternehmer legen

Interessanterweise stellen jedoch – so macht es bei unserer Recherche den Anschein – die wenigsten Erhebungen die Person des Unternehmers in den Fokus. Verlässliche Zahlen sind schwer zu finden, Studien, die sich inhaltlich mit der Burnout-Thematik bei Unternehmern befassen, sind oft in ihren Teilnehmerzahlen wenig repräsentativ. Dabei ist das Bewusstsein in den Führungsetagen durchaus vorhanden. So hat etwa das Hernstein Institut dem Thema einen eigenen Komplex in seinem Management Report 2017 eingeräumt. Rund ein Drittel der befragten Unternehmer und Führungskräfte aus Deutschland und Österreich gaben darin an, sich selbst als (teilweise) Burnout-gefährdet einzustufen.

Mögliche Gründe

Eine Antwort, woran es liegen mag, dass es dennoch kaum Daten gibt, wäre spekulativ und würde der Ernsthaftigkeit des Themas nicht gerecht werden. Einige mögen denken, sich das Gefühl des Ausgebranntseins einzugestehen, sei ein Zeichen von Schwäche oder mangelnden Führungsqualitäten. Andere mit größtem Kraftaufwand dem Leitmotiv “es geht immer weiter” folgen. Vielleicht spielen auch Scham-Gedanke und Ängste eine Rolle. „Würden Sie jemandem mit einer Depression 250.000 Euro anvertrauen?“ zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Unternehmer in einer Reportage.

Achtsamkeit, um das Burnout-Risiko zu minimieren

Ein Burnout kündigt sich nicht lange an, vielmehr schreit es den Betroffenen knallhart an “Tada, ich bin da”. Dem voraus geht oft ein langer Prozess, das warnende Gefühl “Ich kann nicht mehr” wird in frühen Stadien durch ein “Augen zu und durch” beiseite geschoben. Das Gefühl der inneren Ablehnung weicht „Bald wird es weniger stressig“. In der Konsequenz bedeutet es nicht selten: Motivation und Leistungsbereitschaft sinken, das Selbstwertgefühl sinkt langsam zu Boden. Die Freude oder gar Stolz über die eigene Arbeit oder die Unternehmensentwicklung tendieren gegen Null. Bewusste Achtsamkeit gegenüber sich selbst, den eigenen Empfindungen und auch dem Körper gegenüber kann an dieser Stelle helfen, um rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Denn: 60-Stunden-Woche, absolutes Kontrollbedürfnis und übersteigerter Perfektionismus sind genauso kontraproduktiv für die Gesundheit wie Selbstzweifel, nicht Nein-sagen können oder ständig über die eigenen Grenzen hinweg gehen.

Professionelle Hilfe als Weg aus der Erschöpfung

Wir können keine medizinische Beratung ersetzen und ebenso wenig Ratschläge geben, wie man mit einem akuten Burnout umgehen sollte, um den Weg der Genesung einzuschlagen. Wenn Sie Anzeichen bei sich bemerken, die in die Richtung einer chronischen Erschöpfung gehen, wenn Sie sich ausgebrannt fühlen, Ihr Körper streikt oder dergleichen, können wir Ihnen nur ans Herz legen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Und: Tragen Sie das Bewusstsein in Ihr Unternehmerin hinein. So kann es etwa im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements möglich sein, Maßnahmen zur Burnout-Prävention einfließen zu lassen.