Mitarbeiterführung mal anders

Mitarbeiter können nerven! Vor allem die Engagierten unter ihnen. Die gute Nachricht: Man kann sie sich zurecht erziehen. Nicht von heute auf morgen, aber mit ein wenig Geduld … Das einzige Risiko, dass Sie dabei tragen: Sie könnten am Ende ziemlich allein da stehen. Und Ihr Unternehmen? Naja, weiterentwickeln oder zukunftsfähig aufstellen werden Sie es damit sicherlich nicht!

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Kontrolle ist alles

Erliegen Sie nicht der Versuchung, Ihren Mitarbeitern Vertrauen entgegen zu bringen. Egal, wie gut die Arbeitsergebnisse in den letzten Monaten waren. Das nämlich könnte Ihre Position entscheidend schmälern.
Als Chef wissen Sie, wo es langgeht und kennen sich einfach am besten aus. Mitarbeiterführung bedeutet: Ziehen Sie alles (!) zur finalen Kontrolle auf Ihren Schreibtisch. Ob ein Komma, wo eigentlich ein Semikolon stehen sollte, oder die Abrechnung des Parktickets über 1,40 Euro, das nicht in der Reisekostenrichtlinie begründet ist – Ihnen entgeht nichts. Und das sollten Sie Ihren Mitarbeitern so gut es geht klar machen. Nicht, dass am Ende jemand auf die Idee kommt, eine eigene Entscheidung zu treffen. Oder Sie gar “überflüssig” erscheinen zu lassen, weil Sie plötzlich nicht mehr bis abends um zehn in der Firma sitzen.
Also: Lassen Sie nicht zu, dass Sie über etwas nicht informiert sein könnten. Die Zahl auf Ihrem monatlichen monatlichen Gehaltsabrechnung ist schließlich nicht umsonst die größte.

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Leben Sie "Pyramide rauf, Pyramide runter"

Berater, Manager, der ausführende Grafiker: Sie haben viel Geld ausgegeben, damit das Organigramm Ihres Unternehmens so aussieht wie es eben aussieht. Das sollten Sie keinesfalls leichtfertig auf’s Spiel setzen. Denn: Es reicht ein Blick und Sie wissen genau, wen Sie ansprechen müssen, um Ihren Wunsch im Unternehmen weiter delegieren zu lassen.
In der Praxis ist das gar nicht schwer. Wir geben gern ein Beispiel: Die Rechnungsadresse stimmt nicht? Beauftragen Sie den zuständigen Vertriebler die korrekte Adresse von seiner Assistentin beim Kunden erfragen zu lassen. Natürlich schriftlich, damit er die Antwort einfach an Sie weiterleiten kann. Der charmante Vorteil: Sie leiten die E-Mail auf dem kurzen Dienstweg an Ihren Leiter Controlling weiter, der dann seinen Mitarbeiter anweisen kann, die Adresse richtig im ERP-System eintragen kann. Dann reicht auch ein kurzer Anruf der Führungskraft bei Ihrer Sekretärin, die Ihnen über eine Notiz die Nachricht der erfolgreichen Auftrageserledigung übermittelt.
Sie sehen: Endlich rentiert sich das empfohlene Mittlere Management, das Ihnen bequem jede Informationen besorgen kann, die Sie für die umfassende Kontrolle (vergl. Punkt 1) brauchen.

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Halten Sie die Leine kurz

Wer will schon Mitarbeiter, die kreativ und engagiert sind und der Basis ihre fachlichen Kompetenz eigene Vorstellungen entwickeln!? Die sich nicht an das Organigramm halten? Wir geben Ihnen Recht – sie sind einfach nur anstrengend. Diese Gruppe unter Kontrolle zu halten, setzt noch andere Fähigkeiten voraus, als in Punkt 1 beschrieben.
Betroffen sind vor allem Marketingler, Vertriebler oder Softwareentwickler. Ständig kommen diese Menschen mit Ideen um die Ecke, die anders sind als das, wie es schon immer gemacht wurde. Wie also ihnen begreiflich machen, dass das Risiko, im Markt Aufmerksamkeit zu erregen, exponentiell steigt? Oder gar Fehler passieren könnten? Dass das Budget (über das sie auf keinen Fall allein verfügen dürfen!) belastet werden könnte? Dass Mehrumsätze Sie zwingen würden, sich eine Strategie zu überlegen, um gegenüber dem Betriebsrat das günstige Lohnniveau weiter vertreten zu können.
Drastisch, aber: Legen Sie diese dynamischen Mitarbeiter an die sinnbildliche Kette! Widmen Sie der Kontrolle ihrer Arbeit noch mehr Aufmerksamkeit, bleiben Sie Ihrer Linie treu. Verordnen Sie Regelkommunikation, um Eigeninitiative frühzeitig eindämmen zu können. Und: Lassen Sie sich keinesfalls mitreißen. Es gibt kein Links oder Rechts neben dem von Ihnen als Unternehmer festgelegten Weg.

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Lassen Sie sich nicht von fachlicher Kompetenz blenden

Das Leben ist kein Ponyhof, hat schon Stromberg ganz treffend formuliert. Gut für das Berufsleben vorbereitet – und damit eine wahre Stütze für das Unternehmen – sind daher die Mitarbeiter, die ihre Meinung lautstark vertreten und immer motiviert sind, ihre Kollegen abteilungsübergreifend auf ihre Fehler aufmerksam zu machen.
Schaffen Sie sich einen Inner Circle, den Sie mit diesen Persönlichkeiten besetzen. Die Begründung ist einleuchtend: Sie sind a) gestrickt wie Sie selbst und vertreten daher b) dieselben Werte. Und c) werden sie Ihrer Person nicht gefährlich, denn d) wird ihr Eifer, wachsam über die Arbeit der Kollegen zu blicken, nie zulassen, dass sie ähnlich dynamisch agieren, wie die Mitarbeiter aus Punkt 3 – und damit anstrengend werden.
Vertrauen – ja, hier dürfen Sie eine Ausnahme machen – Sie auf das Urteil dieser Leute. Nehmen Sie ihre Empfehlungen ernst. Denn: Ein Mitarbeiter, dessen Brust nicht breit genug ist, um sich dagegen durchzusetzen, kann auch fachlich wohl kaum weit vorn sein. Leben und leben lassen, hat schon in der Evolution nicht geklappt.

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Bleiben Sie Alpha

Ihr Name steht für geballte Kompetenz und deswegen ganz oben im Organigramm. Daher ja auch die Sache mit dem Gehaltsscheck. Bedeutet im Klartext: Ihre Mitarbeiter werden Ihnen nie das Wasser reichen können – Sie sind einfach klüger.
Die Menschen, die unter Ihnen arbeiten, werden es deswegen gar nicht mitbekommen, wenn Sie hinter vorgehaltener Hand in Ihrem Inner Circle über sie reden oder sich nicht an Abmachungen halten. Schließlich sind sie froh, dass sie einen Arbeitsplatz haben und das Geld jeden Monat pünktlich kommt. Lassen Sie diese Überlegenheit von Zeit zu Zeit und wohldosiert gegenüber Ihren Mitarbeitern zu Tage treten. So müssen Sie sich wahrlich keine Sorgen machen, dass noch irgendjemand vorpreschen oder sich freiwillig auf dem diktierten Rahmen bewegen könnte.

Sie haben unseren Ansatz verstanden: Mit moderner Mitarbeiterführung oder gar einer positiven Unternehmenskultur haben unsere persönlichen Top Five der effektivsten Wege, um seine Mitarbeiter zu vergraulen, rein gar nichts zu tun. Trotzdem gibt es immer noch viel zu viele Unternehmen, die auf die ein oder andere Weise in diese Falle tappen. Wir können Ihnen deswegen nur ans Herz legen: Hinterfragen Sie sich selbst. Und steuern Sie gegen, wenn Sie Tendenzen dieser Art in Ihrem Unternehmen entdecken.