Der Unternehmerclub Podcast

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Wenn Arbeit mehr ist als ein vertraglich geregeltes Gleichgewicht von Macht und Geld: Familienunternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen. Das gilt für Führungsaufgaben, Positionierung und Nachfolgeregelungen genauso wie für die Kommunikation miteinander. Liebe, Hass, enge Verbundenheit, Vergangenheit und Geschichten schaffen ein Spannungsfeld, das weit über die Profession hinaus geht. Wie man hier eine Balance schafft, warum der Weg immer bei sich selbst beginnt und wieso diese Wurzeln so wichtig sind, darüber hat Der Unternehmerclub mit Boris Thomas gesprochen.

Unternehmersein liegt nicht in den Genen

Guter Unternehmer bekommen nicht automatisch gute Unternehmersöhne und -töchter, sagt Boris Thomas. “Das ist keine Frage der Genetik.” Thomas ist Geschäftsführer von Lattoflex. Sein Großvater hat das heute international agierende Unternehmen in den 30er Jahren in Bremervörde gegründet. Dort, in der idyllischen Kleinstadt zwischen Oste und Hamme, mitten im Elbe-Weser-Dreieck, wurde 1957 der Lattenrost erfunden. Glas- und Kohlefaserwerkstoffe werden heute eingesetzt, wo früher Holz zum Zug kam, wenn es darum ging, ein Bett gegen Rückenschmerzen zu bauen. Bis heute sieht sich das Unternehmen als Problemlöser – und nicht als Produktvermarkter: “Produkte kommen und gehen, Lattoflex bleibt”, unterstreicht er.

Ein Unternehmen kann man nicht verpflanzen

Marken, die ins Schlingern kommen, haben vergessen, wo sie eigentlich stehen, wo ihre Wurzeln liegen, stellt er im Gespräch mit Der Unternehmerclub eine provokante These auf. “Es gibt keine Umpositionierung”, gibt er sich überzeugt. Man könne neu gründen, aber kein Unternehmen verpflanzen. Der Erfolg von Lattoflex, plaudert er aus dem Nähkästchen, beruhe auf zwei treibenden Kräften: “Dem Mut, neue Wege zu gehen, und dem Ansatz der Familie, nämlich zu bewahren. Eigentlich ein Widerspruch. Es ist ein Balancespiel aus in die Welt zu gehen und große Dinge zu entwickeln, aber die Wurzeln hier in Bremervörde zu haben.”

Boris Thomas

Geschäftsführer Thomas GmbH + Co. Sitz- und Liegemöbel KG

Unser Gesprächspartner

Mein Team ist immer nur so gut oder schlecht, wie ich es bin. Du musst es wollen. So viel Selbstverantwortung, Selbstreflektion muss da sein, um zu erkennen: Mein Unternehmen, das bin ich.

Zwischen Innovation und neuen Märkten und der Tradition zu den Wurzeln des Familienunternehmens in Bremervörde: Boris Thomas (Jahrgang 1964) steht in dritter Generation an der Spitze der Firma Lattoflex. Nach einer Tischlerlehre studierte Thomas Wirtschaftsingenieurwesen und stieg dann Anfang der 90er Jahre in das eigene Familienunternehmen ein. Unter seiner Leitung entwickelte sich Lattoflex zum Weltmarktführer für besseres Schlafen ohne Rückenschmerzen. Der Bremervörde stellt Mitarbeiter und innovative Lösungsansätze als Schlüsselressourcen in den Fokus des Familienunternehmens: “Produkte kommen und gehen, Lattoflex bleibt.”

Unternehmer tragen Verantwortung für die Zukunft

In dritter Generation steht Boris Thomas heute an der Spitze des Unternehmens und er betont, “es ist die Verantwortung jeden Unternehmers, sicherzustellen, was passiert in den nachfolgenden Generationen mit dem Betrieb”. Familie und Unternehmung sei immer ein Spannungsfeld. Es gehe um mehr als nur um Macht und Geld, es gehe um Emotionen und Verbundenheiten und noch viel mehr. Und alles müsse so in Einklang gebracht werden, dass man sich danach noch wiederfinde.

Nachfolgeregelung – “90 % Prozent Psychologie, 10 % Verträge”

Fast drei Jahre hat der Prozess innerhalb der Thomas Gruppe gedauert, um diese Nachfolge zu regeln. “90 Prozent sind Psychologie, hat mal ein Berater erläutert, zehn Prozent, Verträge.” Heute würde er diese These unterschreiben. “In einer Übergangsphase kommt man ohne einen guten (!) externen Berater nicht aus. Jemanden, der im richtigen Moment “Psst” sagt.” Es sei tatsächlich so, dass es die meiste Zeit benötigt hatte, sich in der Familie zu finden. Die Geschwister, die sechs Kinder der nächsten Generation, “von denen heute noch keiner weiß, ob sie je im Unternehmen anfangen”. Erst daraus habe sich ein Übergang zu den Verträgen gegeben.

Prozesse beginnen immer bei sich selbst

Thomas, so wird es in unserem Gespräch immer wieder deutlich, ist überzeugt davon, dass jeder Prozess innerhalb eines Unternehmens, also auch – oder sogar insbesondere – in einer Übergabe- oder Nachfolgesituation, immer bei sich selbst beginnen muss. “Es ist ein Irrglaube, Führungsaufgaben in Organigrammen darstellen zu können”, unterstreicht er. Unternehmersein beginne mit dem Rollenverständnis, “mein Tipp ist, immer wieder bei sich selbst anzufangen. Was ist mein Weg, was ist mein Ding, was ist meine Wertestruktur?” Jemanden, der sich an einem Organigramm festhalte und diese Ausstrahlung und Verständnis seiner Rolle nicht mitbringe, werde trotz seines Titels nie Akzeptanz im Unternehmen erfahren.    

Von Entscheidungen und Wollen

“Unternehmersein beginnt mit Entscheidung und Wollen”: Das, betont Boris Thomas, könne einem kein Externer mitgeben. Trotzdem vertraue er auf gutes Coaching. “Aber gutes Coaching ist nichts was dir Antworten liefert”, sagt er. “Gutes Coaching stellt die bescheuerte Fragen, quälende Fragen.” Es sei eher ein Erinnerungsprozess, um wieder bei sich selbst zu landen und zu trennen, was sagen andere und was bin ich. “Mein Team ist immer nur so gut oder schlecht, wie ich es bin. Du musst es wollen. So viel Selbstverantwortung, Selbstreflektion muss da sein, um zu erkennen: Mein Unternehmen, das bin ich.”